Das Porträt

In «Das Porträt» stellt Ihnen «frauenfeld-events.ch» in loser Folge Personen vor, die in Frauenfeld wohnen oder mit Frauenfeld zu tun haben.

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Claudia Rüegsegger: «Koordinatorin über hundert Veranstaltun-
gen»
Claudia Rüegsegger wohnt in Wil, ist Ende vierzig und seit letztem Jahr für die Koordination, den reibungslosen Ablauf und die Medienarbeit im Eisenwerk verantwortlich. Für ihre Arbeit schöpft sie aus einer bewegten Vergangenheit aus Kulturschaffen, Kulturvermittlung, administrativer Kulturarbeit und Kulturförderung. Im Gespräch beleuchtet sie nicht nur ihr Leben mit und für die Kultur, sondern gibt auch Einblick ins Schaffen im Eisenwerk.

Claudia Rüegsegger hat schon während ihrer Gymi- Zeit intensiv Theater gespielt. Nach der Matura zog es ihr vollends den Ärmel rein, und sie meldete sich zum Vorsprechen an der Schauspiel Akademie Zürich (heute Zürcher Hochschule der Künste) an. Zusammen mit vier MitstudentInnen verliess sie die Ausbildungsstätte noch vor dem Vorsprechen im deutschsprachigen Ausland, denn die Gründung des «momoll theaters» lockte, und damit verbunden die Verschmelzung zwischen Theater-WG und Freiem Theater.

Da sie früh eine elektrische Schreibmaschine besass, meldete sich ihr zweites Talent: Organisieren. Management und Theaterschaffen parallel zu betreiben wurde ihr als Lebensinhalt wichtig und so fasste sie Fuss in verschiedenen Organisationen, war Präsidentin der «Astej» (Schweizerische Vereinigung für Kinder- und Jugendtheater), Administratorin verschiedener Theater und Kulturvermittlerin. Auf ihren vielen Stationen machte sie unter anderm Halt im Toggenburg, wo sie ein Restaurant mit Theaterproduktion unterhielt.

Dann kam das erste Kind. Kurze Zeit später das zweite. «Ab jetzt musste ich mich entscheiden: Will ich sesshaft werden oder eine Theaternomadin bleiben?» sagt sie. Sie entschied sich, eine stationäre Bleibe aufzubauen und von da weiter in der Kulturszene zu wirken; Teilzeit zwar und nur noch, was sie interessant dünkte, zu verwirklichen. «Mir sind menschliche Beziehungen sehr wichtig. Ich muss, um eine gute Produktion auf die Beine stellen zu können, jemanden gut mögen», gesteht sie.

Durch die Steinerschule und den Zufall hat sie in der Theaterpädagogik Fuss gefasst, der sie seit zwölf Jahren als Regisseurin und Pädagogin treu geblieben ist. Zuletzt inszenierte sie jährlich vier bis fünf Produktionen.

Kurz legt sie ihr temperamentvolles Ich beiseite und wird nachdenklich. Bedacht fügt sie an: «Ich bin das ganze Leben auf der Suche nach dem richtigen Vermitteln von Kultur gewesen. Dabei ist mir sesshaft sein und trotzdem für's Theater arbeiten zu können sehr wichtig geworden». Nach kurzem Schweigen bekundet sie: «Ich probiere viel unter einen Hut zu bringen. Gefährlich ist für mich, wenn ich mich an etwas gewöhne und nicht mehr offen bin für Zufälle und Neues!» Ein für sie prägnanter Satz, denn vieles in ihrem Leben verdankt sie dem Zufall, der ihr ein treuer Wegbegleiter ist.

Die Arbeit im Eisenwerk brachte ihr Neues und Altes zugleich, konnte sie doch einiges aus ihrem reichen Fundus aus der Vergangenheit mit einbringen, und endlich erwies sich auch das absolvierte Nachdiplomstudium in Kulturmanagement als richtig nützlich. Sie musste lernen mit den Tücken der Gestaltungstechnik (InDesign, Photoshop) umzugehen und sich ins Konzertbusiness einarbeiten, das anders als die Arbeit mit dem Theater ist. «Ich finde es ausserordentlich bereichernd, dass im Eisenwerk viel auf Freiwilligkeit basiert. An der Programmgestaltung und -umsetzung arbeiten rund zwanzig Personen mit Zuneigung zu verschiedenen Sparten mit, was es vielseitig und spannend macht», findet sie beeindruckt. Selber ist sie wenig an Veranstaltungen im Eisenwerk, da es einfach zu viele sind, schnuppert aber hin und wieder rein, um die Atmosphäre auszukosten. Ihre Aufgaben sind Werbung, Marketing, Administration, Buchhaltung - schauen eben, dass der «Karren» läuft! Und das ist nicht immer einfach, denn manchmal «harzen» auch Besuchergaranten, vermeintliche Volltreffer, und niemand weiss warum. «Neben erklärbaren Faktoren bleibt ein Rest Mysterium, warum etwas wieviele Zuschauer anzieht», wendet sie nachdenklich ein.

«Ich mag die Arbeit mit Zahlen, die Adressverwaltung und den Zahlungsverkehr ... diese Klarheit und Struktur». Dann meldet sich wieder ihre zweite Seele - die Freiheit, die sie mit der Beständigkeit unter einen Hut bringen möchte. Und es gelingt ihr!

«Ich finde toll, dass das Eisenwerk das Freiwilligen- Modell so beharrlich umsetzt und prägt. ... Es ist schwieriger einen Betrieb auf einem Level zu halten, als auf ein Level zu bringen», spricht sie aus Erfahrung. Und doch, am Eisenwerkhorizont gibt es aufsteigende Wolken: «Die Besucherströme sind wie andernorts auch eher überaltert und der Einsatz von ganz jungen Menschen ist bescheiden, vielleicht weil viel Fertiges geboten wird», findet sie. Da ortet sie Gefahren! «Wir sollten der jungen Generation mehr zumuten und weniger schnell den roten Teppich ausfahren. Vieles ist zu einfach, etwa die Tournee im Ausland, die bereits Kindern angeboten wird, ohne dass man viel können muss, egal ob in der Kultur oder im Sport. Ab da, wo es mühsam und verbindlich wird, steigen viele aus!»

Wir sprechen über das erfolgversprechende Veranstaltermodell und orten Gemeinsamkeiten: Wichtig sind private Vernetzungen, persönliche Kontakte und ein Team, das längere Zeit am selben Strick zieht. Studentengemeinschaften etwa ticken anders als zufällig entstandene Gruppierungen und haben eine höhere Wahrscheinlichkeit turbulente Zeiten zu überstehen. Wir sprechen aber auch über die alteingesessenen Kulturschaffenden, deren Erfolg über Jahrzehnte anhält ohne dass sie sich an die Moderne anpassen und kommen schliesslich wieder zurück zum Eisenwerk:

«Ich finde in Frauenfeld sollte es mehr Stolz geben, dass es ein Eisenwerk mit seiner Lebendigkeit und Vielseitigkeit gibt. Von aussen wird es mehr geschätzt und wahrgenommen als von den Frauenfeldern selbst. Die Wertschätzung Gutes vor der Haustüre zu haben, fehlt hier in Frauenfeld.» Dann fügt sie an: «Ich wünsche mir, dass man etwas vom Eisenwerk mit seiner Vielseitigkeit will, damit es weiterhin Schützenswertes bewahren und Neues entwickeln kann und kein Museum der 80er Jahre wird. - So ein einzigartiges, vielfältiges und lebendiges Gefäss mitzugestalten ist doch toll!

Sie sagt es, packen wir's an!





































































































































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