Das Porträtarchiv
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Benno Frauchiger: «Mit dem Velo um die halbe Welt»
Benno Frauchiger «On Tour»
Porträt Nr. 10
Text und Interview: Andrina Bachmann
Foto: Benno Frauchiger
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Draussen ist es wieder warm, die Blumen blühen und das schöne Wetter verlockt, sich auf den Drahtesel zu setzen und eine kleine, gemütliche Sonntagstour zu machen. - Benno Frauchiger aus Frauenfeld hat sich am 24. Juni 2006 von Basel aus mit seinem «Velo rouge» auch auf eine kleine, gemütliche Sonntagstour aufgemacht: Am 22. März 2008 kam er von seiner Reise, die unter anderem über Osteuropa, Türkei, Iran, Pakistan, Indien, Malaysia und schliesslich zu seinem Reiseziel Carnamah in Australien führte, wieder zurück. Insgesamt durchquerte er 18 Länder in drei Kontinenten und legte 27'000 Kilometer zurück; durchschnittlich 42,3 Kilometer pro Tag!
Mich nahm wunder, wie es dem Weltenbummler während seiner Reise ergangen ist, wie und ob er sich wieder in der Schweiz eingelebt hat und wann er sich auf die nächste Expedition macht:
«Der spinnt doch!» - Viele Leute, denen Benno Frauchiger auf seiner Reise begegnete, konnten gar nicht glauben, was er da vor hatte: Mit dem Velo den halben Globus zu umrunden, um schliesslich nach Australien zu gelangen. Heutzutage gibt es doch Flugzeuge und genügend Flugangebote nach Australien. Also bitte, wer sollte da noch auf die Idee kommen, sich auf sein Fahrrad zu setzen und kurzerhand nach Australien zu radeln? - Jemand, der die Ignoranz und Unachtsamkeit gegenüber der Umwelt der westlichen Gesellschaft nicht leiden kann. Jemand, den es interessiert, was alles zwischen der Flugstrecke Basel - Australien liegt und auf welche fremden Länder und Leute man auf diesem Weg trifft. Jemand, der auf dem Boden bleiben möchte, auf dem Boden der Realität. Jemand, der den Menschen auf dem Weg nach Australien in die Augen schauen will.
«Wow, unglaublich, dass Du das machst! Ich bin einfach begeistert!» - So oder ähnlich hörten sich die Aussagen der anderen Leute an. Den anderen Leuten, die Benno bewunderten und von seinem Engagement, seiner Motivation und seiner Leistung begeistert waren.
Überhaupt waren die Menschen sehr freundlich und offen ihm gegenüber. Genau das ist es auch, was für ihn auf dieser Reise sehr eindrücklich war: Leute können noch so wenig Besitz und Geld haben, es reicht ihnen, um glücklich und zufrieden zu sein. Dass sie nur so wenig besitzen und ihr Gehalt mager ist, hat sie nicht davon abgehalten, gastfreundlich zu sein und Fremde in ihr Heim einzuladen, um gemütlich eine Tasse Tee mit ihnen zu trinken. Die Menschen in fernen Ländern sind sehr neugierig und kommen auf einen zu. Schenkt man ihnen das Vertrauen, so wird man mit tausend Fragen gelöchert ... und nicht mit Kugeln.
Diese Umstellung, sich wieder in unserer Konsumgesellschaft zurechtzufinden, hat Benno Frauchiger nach der Rückkehr am meisten Schwierigkeiten bereitet. Ansonsten hat er sich aber, nach fast zwei Jahren Trennung, sehr schnell wieder an seine Familie und Freunde gewöhnt. Während seiner Reise hatte er dank der modernen Technik wie SMS und E-Mail Kontakt zu seinen Bekannten und Verwandten gehalten. Und zwei-, dreimal war es sogar möglich, dass ihn jemand spontan besuchen kommen konnte. Solche Momente waren für ihn bedeutend, denn genau diese Bezugspersonen haben ihm auf seiner Reise am meisten gefehlt.
Momentan arbeitet der gelernte Maschineningenieur als Solaranlagebauer. Doch wer weiss, wie lange es ihn hier noch hält. Schliesslich gibt es noch den restlichen Teil der Welt zu entdecken! Und sein «Velo rouge» ist noch immer in einem fahrtüchtigen Zustand.
Internet: www.levelorouge.ch
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